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Meisterpflicht und Co.: 5 Fragen an einen Estrichleger

Rund ums Handwerk

23. Januar 2020

Eines der zwölf Gewerke, das seit Anfang Januar wieder meisterpflichtig ist, ist das Estrichlegerhandwerk. Was für Chancen und Risiken dies für sein Gewerk bietet und wie die Branche aktuell aufgestellt ist, erklärt Bertram Abert, Estrichlegermeister und Sachverständiger für Fußbodentechnik, im Interview mit der Deutschen Handwerks Zeitung.

Ein Artikel von der Deutschen Handwerks Zeitung, Jessica Schömburg

Estrichleger mit Eimer
Wer einen Estrichlegerbetrieb anmelden möchte, muss seit dem 1. Januar 2020 eine Meisterprüfung vorweisen oder einen Meister beschäftigen. – © Wellnhofer Designs – stock.adobe.com

DHZ: Seit dem 1. Januar gibt es wieder eine Meisterpflicht für Estrichleger. Was sind die positiven Auswirkungen der Rückvermeisterung für Ihr Gewerk?

Bertram Abert: Ich erwarte, dass die Qualität der Arbeiten in unserem Gewerk steigt. Als Sachverständiger sehe ich viele Schäden im Fußbodenbau. Diese entstehen oft dann, wenn an- oder ungelernten Fachkräften am Werk sind. Jetzt müssen neue Estrichbetriebe wieder die Meisterprüfung ablegen, oder einen Meister beschäftigen, wenn sie ihr Gewerbe anmelden wollen. Das Niveau der Arbeiten sollte also besser werden. Was mich außerdem freut ist, dass wir jetzt deutlich mehr Anmeldungen für den Meisterkurs haben als in den letzten Jahren. Absolut gesehen, sind die Zahlen leider immer noch sehr gering.

DHZ: Bringt die Wiedereinführung der Meisterpflicht auch negative Aspekte mit sich?

Abert: Auf meinen Betrieb hat die Wiedereinführung der Meisterpflicht keine negativen Auswirkungen. Wir haben uns schon vor der letzten Novellierung 2004 als Estrichleger und als Parkettleger eintragen lassen. Es gibt aber andere Betriebe, die zum Beispiel nur als Estrichleger angemeldet waren und im Nebengewerbe Parkett oder auch Fliesen verlegt haben. Für sie kann es jetzt komplizierter werden, da diese Möglichkeit wegfällt, bzw. deutlich schwerer wird. Einige Betriebe haben sich deshalb vor in Kraft treten des neuen Gesetzes noch in den entsprechenden Nebengewerken eintragen lassen.

Außerdem befürchte ich, dass mit der Wiedereinführung der Meisterpflicht die Prüfungen wieder aufgeweicht werden, damit mehr Handwerker bestehen.

DHZ: Den meisten Handwerksbetrieben geht es ja nach wie vor sehr gut. Wie sieht die Auftragslage in Ihrer Branche aus?

Abert: Die Auftragslage in unserem Gewerk ist sehr gut. Leider haben wir zu wenig Fachpersonal dafür. Nach dem Meisterkurs wandern viele Handwerker in die Industrie ab und beraten die Hersteller bei der Entwicklung neuer Produkte oder sind im Verkauf tätig . Diese ausgebildeten Experten fehlen dann leider im Handwerk. Das macht sich zum Beispiel auch im Ehrenamt bemerkbar.

DHZ: Inwiefern?

Abert: Es gibt immer weniger junge Menschen, die sich bei uns im Gewerk ehrenamtlich engagieren. Die Kollegen, die gut ausgebildet sind, haben zu wenig Zeit. Sie verbringen ihre Freizeit lieber mit der Familie oder arbeiten viel im eigenen Betrieb. Und für ein Ehrenamt gibt es natürlich auch nicht viel Geld.

DHZ: Bei Ihnen sieht es anders aus. Sie sind schon seit Jahrzehnten ehrenamtlich aktiv. Wie ist es dazu gekommen?

Abert: Wenn ich früher einen Vorschlag oder eine Idee hatte, wollten manche Architekten diese nicht umsetzen. Also bin ich in der Normungsarbeit aktiv geworden und habe meine Vorschläge dort eingebracht. Heute gibt es viele Normen an denen ich im Laufe meines Arbeitslebens mitgewirkt habe. Auch wenn es kaum Geld für diese Arbeit gibt, finde ich es wichtig, mein praktisches Wissen weiterzugeben, zum Beispiel auch an andere europäische Kollegen. Deshalb bin ich auch in der europäischen Normungsarbeit aktiv.

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