Digitalisierungsgrad – Folge 3: So weit sind die Gesundheitsgewerke

Die Betriebe im Gesundheitsgewerbe – Zahntechniker, Optiker, Hörakustiker und Orthopädiegewerke – weisen bereits einen hohen Digitalisierungsgrad auf. Der intensive Einsatz digitaler Geräte lässt sich insbesondere auf die Entwicklungen aus der Industrie und auf die Marktdurchdringung großer Filialbetriebe zurückführen.

Ein Artikel von handwerk magazin, Christiane Klebig // HwK Erfurt

Bei den Zahntechnikern lässt sich die hohe Digitalisierung in besonderem Maße auf die von der Industrie getriebenen technologischen Entwicklungen, insbesondere im Bereich der Fertigung, zurückführen.

So arbeiten viele Zahntechniker heute mit digitalen Scans und verwenden CAD/CAMSysteme und CNC-Fräsen zur Herstellung von Zahnersatz. Die Bestellung von Rohstoffen und Material wird online abgewickelt.

ZAHNTECHNIKER PROFITIEREN VON TECHNOLOGISCHEN ENTWICKLUNGEN

Zahntechnikermeisterin Sabine Weck (rechts) schult ihren Nachwuchs in CAD/CAM-Techniken: »Unsere Azubis erhalten ein zusätzliches Hightech-Zeugnis.« - © Weck Dentaltechnik

Es setzen sich zudem die digitalen Kanäle in der Kommunikation mit Krankenkassen und Ärzten durch. Abrechnungen oder Scans werden heute im Regelfall digital verschickt. Die Nutzung von branchenspezifischer Software, Kundendatenbanken und Warenwirtschaftssystemen ist in den Zahntechnikerbetrieben Standard.

In starkem Maße werden in den kommenden Jahren die 3D-Technologien Einzug halten und die Arbeitsprozesse in den Betrieben damit nachhaltig verändern. Weiterhin wachsende Bedeutung hat auch die Verwendung von CAD/CAM/CNC-Systemen. Zudem werden sich die Schnittstellen zwischen Ärzten, Krankenkassen und den Gesundheitsdienstleistern weiterentwickeln.

BETRIEBSABLÄUFE DER ZAHNTECHNIKER
  • Heute: Digitale Endgeräte und vernetzte IT. Nutzung branchenspezifischer WWS Software für CAD-/CAM-System, CNC-Dentalfräsen und 3D-Technologien. Software zur Kostenplanerstellung und Abrechnung. Personalsuche über Online-Portale. Abrechnungsprogramme
  • Künftige Potenziale: Datenbankgestützte Dokumentenablage und -verwaltung mittels Dokumentenmanagementsystem (DMS)
KUNDENBEZIEHUNGEN DER ZAHNTECHNIKER
  • Heute: Elektronische Kommunikation mit Zahnärzten und Krankenkassen Kunden-(Patienten-)Datenbanken
  • Künftige Potenziale: Elektronische Patientenakte. Standardisierung der Schnittstellen zu Ärzten und Krankenkassen. Nutzung von WWS und Kundenmanagementsystemen (CRM) zur systematischen Kundenbearbeitung und Datenanalyse.

AUGENOPTIKER SOLLTEN AUF VIRTUAL- UND AUGMENTED REALITY SETZEN

Digitale Technologien werden insbesondere bei der Augenprofilvermessung und Sehstärkemessung eingesetzt, etwa mittels Autorefraktometer oder elektronischem Phoropter. Teilweise werden tageszeitabhängige digitale Sehprüfgeräte verwendet.

Die Bestellung von Material, Brillengläsern, Kontaktlinsen und Zubehör wird heute online abgewickelt. Neben dem datenbasierten Schliff und der üblichen eigenen Endfertigung von Brillen, werden Brillengläser heute im Regelfall elektronisch bei speziellen Herstellern geordert. Die Nutzung von branchenspezifischer Software, Kundendatenbanken und Warenwirtschaftssystemen ist in den Augenoptikerbetrieben heute Standard.

Trends liegen im Bereich Virtual und Augmented Reality für die Kundenberatung, im 3D-Druck von Brillengestellen oder der Anpassung des Tönungsgrades von phototropen Brillengläsern per App. Weitere Potenziale liegen in der Vernetzung der Betriebsbereiche und in der vermehrten Nutzung eigener Webseiten und Social-Media-Kanäle zur Kundengewinnung.

BETRIEBSABLÄUFE DER AUGENOPTIKER
  • Heute: Digitale Endgeräte und vernetzte IT. Nutzung branchenspezifischer WWS Software für 3D-Technologien. Software zur Kostenplanerstellung und Abrechnung. Personalsuche über Online-Portale. Abrechnungsprogramme
  • Künftige Potenziale: Datenbankgestützte Dokumentenablage und -verwaltung mittels Dokumentenmanagementsystemen (DMS)
KUNDENBEZIEHUNGEN DER AUGENOPTIKER
  • Heute: Elektronische Kommunikation mit Augenärzten und Krankenkassen. Kunden-(Patienten-)Datenbanken
  • Künftige Potenziale: Elektronische Patientenakte. Standardisierung der Schnittstellen zu Ärzten und Krankenkassen. Nutzung von WWS und CRM zur systematischen Kundenbearbeitung und Datenanalyse

HÖRAKUSTIKER NUTZEN TECHNISCH-DIGITALISIERTE OTOPLASTIK

Material und Produkte heute oftmals über Warenwirtschaftssysteme oder online bestellt, Hörtests computergestützt durchgeführt und Hörgerätefrequenzen mit branchenspezifischer Software individuell eingestellt und angepasst. Im Rahmen der Kundenkommunikation werden Techniken mit hohem Erklärungsbedarf heute vermehrt über Tablets und 3D-Skizzen veranschaulicht. In der Verwaltung des Betriebes sind Warenwirtschafts- und Kundenmanagementsysteme, sowie Steuer- und Buchhaltungssoftware heute Alltag.

Die Unternehmensbereiche sind in den meisten Betrieben intern oder mit der Dachorganisation digital verknüpft. Trends liegen im Bereich der technisch-digitalisierten Otoplastik-Herstellung, etwa durch 3D-Scans für die Ohrabformung sowie 3D-Druck und Digital Light Processing für die Herstellung von Kunststoff-Ohrstücken. Weitere Trends sind die fortschreitende Miniaturisierung der Bauteile und die drahtlose Kommunikation und App-Steuerung von Hörgeräten.

BETRIEBSABLÄUFE DER HÖRAKUSTIKER
  • Heute: Digitale Endgeräte und vernetzte IT. Nutzung branchenspezifischer WWS Software für 3D-Technologien. Software zur Kostenplanerstellung und Abrechnung. Personalsuche über Online-Portale. Abrechnungsprogramme
  • Künftige Potenziale: Datenbankgestützte Dokumentenablage und -verwaltung mittels Dokumentenmanagementsystem (DMS)
KUNDENBEZIEHUNGEN DER HÖRAKUSTIKER
  • Heute: Elektronische Kommunikation mit Ärzten und Krankenkassen. Kunden-(Patienten-)Datenbanken
  • Künftige Potenziale: Elektronische Patientenakte. Standardisierung der Schnittstellen zu Ärzten und Krankenkassen. Nutzung von WWS und CRM zur systematischen Kundenbearbeitung und Datenanalyse

ORTHOPÄDIETECHNIKER UND -SCHUHMACHER: HANDARBEIT UND SMARTE TECHNOLOGIE

Betriebe der Orthopädietechnik und des Orthopädieschuhmacher-Handwerks weisen einen mittleren Digitalisierungsgrad auf. Der Einsatz digitaler Technologien lässt sich insbesondere auf die Entwicklungen aus der Industrie zurückführen.

Die Fertigung und Anpassung von orthopädischen Schuhen, Einlagen, Orthesen, Prothesen und Reha-Technik ist immer noch in starkem Maße durch Handarbeit geprägt. Teilweise werden 3D-Scanner sowie -Drucker, CAD/CAM-Technologie und CNC-Fräsen für die individuelle Anfertigung verwendet. Einige Betriebe nutzen branchenspezifische Software, Kundendatenbanken und Warenwirtschaftssysteme.

Da sich die Kundschaft nahezu vollständig aus überwiesenen Patienten zusammensetzt, spielen eigene Homepages oder soziale Medien zur Kundengewinnung allenfalls eine untergeordnete Rolle. Die Abrechnung mit Krankenkassen erfolgt überwiegend digital.

Ein großer Trend innerhalb der Handwerksbranche liegt in der Verwendung smarter und intelligenter Technologien, etwa im Bereich der Prothesen, Orthesen oder der Reha-Technik. Diese können nachteilige Verhaltensmuster erkennen und dem Patienten gezielte Rückmeldung zur Verbesserung seiner Bewegungsabläufe bieten. Die Potenziale digitaler Technologien zeigen sich auch im direkten Kundengespräch. So können Tablets und 3D-Modelle zur vereinfachten Erklärung und Beratung verwendet werden.

BETRIEBSABLÄUFE DER ORTHOPÄDIEGEWERKE
  • Heute: Digitale Endgeräte und vernetzte IT. Nutzung branchenspezifischer WWS Software für CAD/CAM/CNC-Systeme. Software zur Kostenplanerstellung und Abrechnung. Personalsuche über Online-Portale. Abrechnungsprogramme
  • Künftige Potenziale: Datenbankgestützte Dokumentenablage und -verwaltung mittels Dokumentenmanagementsystemen (DMS)
KUNDENBEZIEHUNGEN DER ORTHOPÄDIEGEWERKE
  • Heute: Elektronische Kommunikation mit Ärzten und Krankenkassen. Kunden-(Patienten-)Datenbanken
  • Künftige Potenziale: Elektronische Patientenakte. Standardisierung der Schnittstellen zu Ärzten und Krankenkassen. Nutzung von WWS und CRM zur systematischen Kundenbearbeitung und Datenanalyse
ALLE GESUNDHEITSGEWERKE IM ÜBERBLICK

Was die Handwerkskammer Erfurt für die Gesundheitsgewerke – Zahntechniker, Optiker, Hörakustiker und Ortohopädiegewerke – im Detail erarbeitet hat, sehen Sie hier übersichtlich auf jeweils zwei Seiten: www.handwerk-magazin.de/gesundheitsgewerke

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Dies ist ein Beitrag des Handwerk Magazins