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Wärmepumpe im Altbau – geht das in einem Haus von 1975?

24. August 2026

Wärmepumpe im Altbau – geht das in einem Haus von 1975?

Die kurze Antwort: Meistens ja – und zwar ohne vorherige Komplettsanierung. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme hat vier Jahre lang 77 Wärmepumpen in bewohnten Bestandsgebäuden gemessen und keinen Zusammenhang zwischen Baujahr und Effizienz gefunden. Entscheidend ist nicht, wann Ihr Haus gebaut wurde, sondern welche Vorlauftemperatur Ihre Heizkörper an einem kalten Tag brauchen.

Und diese Zahl können Sie selbst ermitteln, bevor Sie ein einziges Angebot einholen. Wie das geht, steht weiter unten.


Was die größte deutsche Feldstudie ergeben hat

Im Projekt „Wärmepumpen-Qualitätssicherung im Bestand" hat das Fraunhofer ISE über vier Jahre 77 Anlagen in Ein- bis Dreifamilienhäusern messtechnisch begleitet – Gebäude mit Baujahren vom 19. Jahrhundert bis 2001. Die Ergebnisse:

  • Jahresarbeitszahlen zwischen 2,6 und 5,4
  • Luft-Wasser-Wärmepumpen im Mittel 3,4, erdgekoppelte Systeme 4,3
  • Kein signifikanter Zusammenhang zwischen Baujahr und Effizienz
  • CO₂-Emissionen rund 64 % niedriger als bei einer Gasheizung

Was bedeutet die Jahresarbeitszahl? Eine JAZ von 3,4 heißt: Aus einer Kilowattstunde Strom werden 3,4 Kilowattstunden Wärme. Die übrigen 2,4 kommen kostenlos aus der Umgebungsluft. Als Orientierung: Unter 2,5 wird der Betrieb wirtschaftlich schwierig, ab 3,5 ist das Ergebnis auch im Bestand gut.

Die Faustregel „erst dämmen, dann Wärmepumpe" ist damit in dieser Pauschalität widerlegt. Was nicht heißt, dass Dämmung sinnlos wäre – sie ist nur keine Voraussetzung.


Die eine Zahl, auf die es ankommt

Die Vorlauftemperatur. Also die Temperatur, mit der das Wasser aus dem Kessel in Ihre Heizkörper geht, wenn es draußen richtig kalt ist.

Eine Wärmepumpe arbeitet umso effizienter, je niedriger diese Temperatur ist. Jedes Grad weniger verbessert die Jahresarbeitszahl spürbar. Als Richtwert gilt: bleibt die Vorlauftemperatur ganzjährig unter etwa 55 °C, ist Ihr Haus wärmepumpentauglich.

Der weit verbreitete Irrtum ist, dass es dafür eine Fußbodenheizung braucht. Braucht es nicht. In der Fraunhofer-Studie erreichten auch Anlagen mit klassischen Heizkörpern niedrige Vorlauftemperaturen. Der Grund: Alte Heizkörper wurden meist großzügig dimensioniert, und die Heizlast vieler Häuser ist über die Jahre gesunken – durch neue Fenster, ein gedämmtes Dach, eine erneuerte Haustür.


Der Selbsttest – so finden Sie es an Ihrer eigenen Heizung heraus

Diesen Test können Sie ohne Fachbetrieb durchführen. Er kostet nichts und dauert einen Tag.

  1. Warten Sie auf einen wirklich kalten Tag. Ideal sind Außentemperaturen um oder unter 0 °C. Im Sauerland heißt das: Januar oder Februar. Im August lässt sich der Test nicht sinnvoll machen.
  2. Stellen Sie die Vorlauftemperatur an Ihrer Heizungsregelung auf etwa 50 °C. Bei den meisten Anlagen geschieht das über die Heizkurve oder eine maximale Vorlauftemperatur.
  3. Drehen Sie alle Thermostatventile voll auf.
  4. Warten Sie einen Tag.
  5. Prüfen Sie: Werden alle Räume warm genug?

Wird es überall behaglich warm, ist Ihr Haus ohne weitere Maßnahmen wärmepumpentauglich. Bleiben ein oder zwei Räume zu kalt, genügt meist der Tausch dieser Heizkörper gegen größere Modelle. Bleibt das ganze Haus kalt, sprechen wir über Heizflächen, Dämmung oder eine Hybridlösung.

Vergessen Sie nicht, die Einstellung danach zurückzusetzen.


Müssen die Heizkörper raus?

In der Regel nicht – und wenn, dann selten alle. Ein alter Heizkörper gibt bei niedriger Vorlauftemperatur zwar nur einen Bruchteil seiner Nennleistung ab, war aber ursprünglich oft deutlich überdimensioniert. Häufig reicht es, in zwei oder drei Räumen größere Heizkörper zu setzen – meist Bad, Wohnzimmer und ein Nordzimmer.

Das kostet einen Bruchteil einer Fußbodenheizung und lässt sich in ein bis zwei Tagen erledigen.


Was wir vor Ort prüfen

Der Selbsttest gibt Ihnen die Richtung. Vor einem Angebot rechnen wir nach:

  1. Heizlastberechnung – wie viel Wärme braucht das Gebäude an den kältesten Tagen wirklich?
  2. Heizflächen-Check raumweise – wo reicht der vorhandene Heizkörper, wo nicht?
  3. Aufstellort und Schall – Abstand zur Grundstücksgrenze und zu Schlafräumen, auch denen der Nachbarn
  4. Stromanschluss und Zählerplatz
  5. Warmwasserbedarf – oft der unterschätzte Teil der Rechnung
  6. Hydraulischer Abgleich und Einregulierung – ohne den läuft auch eine gut ausgelegte Wärmepumpe mit unnötig hoher Vorlauftemperatur

Punkt sechs ist der, an dem die meisten schlecht laufenden Anlagen scheitern. Die Fraunhofer-Forscher haben genau dort die häufigsten Planungs- und Installationsfehler gefunden. Bei uns gehört der Abgleich zum Auftrag, nicht zur Sonderleistung.


Was kostet das – und was bleibt nach Förderung übrig?

Seit dem 21. Juli 2026 gelten neue Förderbedingungen. Die Grundförderung liegt bei 30 %, dazu kommen ein Klimageschwindigkeitsbonus von 16 % beim Austausch einer alten Heizung und ein einkommensabhängiger Bonus von bis zu 40 %. Gedeckelt ist die Förderung bei 70 %, bei einem anzusetzenden Haushaltseinkommen bis 30.000 € bei 80 %. Förderfähig sind bis zu 28.000 € für die erste Wohneinheit.

Im typischen Fall ohne Einkommensbonus bedeutet das 46 % Zuschuss, also rund 12.880 €.

Ein Zeitfaktor, der zählt: Der Klimageschwindigkeitsbonus sinkt ab dem 1. Februar 2027 halbjährlich und entfällt im August 2028. Wer den Tausch ohnehin plant, fährt früher besser.

[Alle Details zur Heizungsförderung] (Stand: August 2026)


Wann wir von einer Wärmepumpe abraten

Damit hier kein einseitiges Bild entsteht – es gibt Fälle, in denen wir zu etwas anderem raten:

  • Wenn auch nach Heizkörpertausch Vorlauftemperaturen über 60 °C nötig bleiben. Dann wird der Betrieb teuer, und eine Hybridlösung oder ein moderner Brennwertkessel rechnet sich besser.
  • Wenn kein vertretbarer Aufstellort existiert – enge Grundstücksgrenzen, Schlafzimmerfenster in unmittelbarer Nähe, denkmalgeschützte Fassaden.
  • Wenn ein Verkauf ansteht. Die Investition rechnet sich über die Betriebskosten, nicht über den kurzfristigen Wiederverkaufswert.

Diese Einschätzung bekommen Sie von uns vor dem Angebot, nicht danach.


Häufige Fragen

Muss ich mein Haus erst dämmen, bevor eine Wärmepumpe eingebaut werden kann? Nein. Die Fraunhofer-Feldstudie fand keinen Zusammenhang zwischen Baujahr und Effizienz. Entscheidend ist die benötigte Vorlauftemperatur, nicht der Dämmstandard. Dämmung verbessert das Ergebnis, ist aber keine Voraussetzung.

Welche Vorlauftemperatur braucht eine Wärmepumpe? Als Richtwert sollte die Vorlauftemperatur ganzjährig unter etwa 55 °C bleiben. Je niedriger, desto effizienter arbeitet die Anlage.

Brauche ich eine Fußbodenheizung? Nein. Auch klassische Heizkörper funktionieren, sofern sie ausreichend groß dimensioniert sind. Häufig genügt der Tausch einzelner Heizkörper.

Wie effizient sind Wärmepumpen im Altbau tatsächlich? In der Fraunhofer-Feldstudie mit 77 Anlagen erreichten Luft-Wasser-Wärmepumpen im Mittel eine Jahresarbeitszahl von 3,4, erdgekoppelte Systeme 4,3. Die Werte lagen zwischen 2,6 und 5,4.

Wie finde ich heraus, ob mein Haus geeignet ist? Senken Sie an einem kalten Wintertag die Vorlauftemperatur auf etwa 50 °C, öffnen Sie alle Thermostatventile und prüfen Sie nach einem Tag, ob alle Räume warm werden. Das ist ein guter erster Indikator – die verbindliche Antwort liefert eine Heizlastberechnung.

Wie laut ist eine Luft-Wasser-Wärmepumpe? Moderne Geräte sind im Betrieb leise. Entscheidend ist der Aufstellort: Abstand zur Grundstücksgrenze und zu Schlafräumen gehören in die Planung.

Was passiert bei sehr kalten Temperaturen? Die Effizienz sinkt, der Betrieb läuft weiter. Für die wenigen sehr kalten Tage im Jahr ist ein elektrischer Heizstab oder – bei Hybridanlagen – der vorhandene Kessel zuständig.


Sie wollen wissen, was Ihr Haus hergibt? Wir kommen vorbei, rechnen die Heizlast, prüfen Ihre Heizkörper raumweise und sagen Ihnen ehrlich, ob sich eine Wärmepumpe für Sie rechnet – oder ob eine andere Lösung besser passt.

Im Kreis Olpe, im Siegerland, im Oberbergischen, im Märkischen Kreis und über unseren Standort Eslohe auch im Hochsauerland.

📞 02761 9475514 · ✉️ hallo@badwerkstatt.com